Polarlichter sind immer ein spektakuläres Naturschauspiel – erst recht, wenn man sie in unseren heimischen Breiten erleben darf. Bevor es dazu kam, waren wir zehn… zwölf Tage in Skandinavien unterwegs, getrieben von der Hoffnung auf dieses magische Licht. Obwohl wir nicht bis in den hohen Norden reisten, blieben wir optimistisch. Das Wetter und die Sonnenaktivität machten uns jedoch einen Strich durch die Rechnung, sodass sich letztlich nur am 6. und 7. Oktober 2024 die Gelegenheit zur Beobachtung von leider nur sehr schwachen Polarlichtern bot. Die folgenden Aufnahmen zeigen den Stockholmer Nachthimmel bei einem Kp-Index von 3 bis 4.
Zugegeben, die Ausbeute in Schweden war zunächst bescheiden: Visuell waren die Lichter kaum wahrnehmbar und ließen sich nur durch lange Belichtungszeiten auf den Sensor bannen. Diese Aufnahmen entstanden am See Flaten im Süden Stockholms.
Der wahre Paukenschlag folgte jedoch am 10. Oktober 2024. Eigentlich befanden wir uns bereits auf der Rückreise. Da uns das regnerische Wetter in Helsingborg einen Strich durch die Rechnung machte, planten wir spontan einen Abstecher nach Kopenhagen. Doch die schwierige Parkplatzsuche mit dem Wohnmobil trieb uns schließlich direkt zum Fährhafen – und damit einen Tag früher als gedacht zurück in die Heimat.
Ein glücklicher Zufall, wie sich herausstellte: Unter dem kristallklaren Himmel hiesiger Gefilde erwartete uns ein Farbspektakel, wie ich es zuvor noch nie erlebt hatte.
Um Polarlichter in unseren Breiten erfolgreich abzupassen, ist das richtige Timing entscheidend. Informationen zur Sonnenaktivität und zum lokalen Wetter sind dabei unerlässlich. Im Netz findet man eine Vielzahl hilfreicher Anwendungen – am besten suchst du gezielt nach Stichworten wie „Aurora Forecast“ oder schlicht „Polarlicht-Vorhersage“. Für das perfekte Foto gibt es jedoch ein paar technische Kniffe zu beachten. Die Belichtung hängt stark von der Intensität der Aurora und dem Restlicht der Umgebung ab. Belichtungszeiten von mehreren Sekunden sind nötig, um das Schauspiel aufnehmen zu können. Als Orientierung für die Wahl der Verschlusszeit dient die sogenannte 500er-Regel. Sie hilft dir dabei, die Sterne als scharfe Punkte und nicht als Striche (bedingt durch die Erdrotation) abzubilden. Die Faustformel lautet:
Maximale Belichtungszeit = 500 / (Crop-Faktor × Brennweite)
Den errechneten Wert solltest du auf die nächste kleinere Verschlusszeit deiner Kamera abrunden. Da dies nur ein Richtwert ist, empfiehlt sich ein prüfender Blick: Verformen sich die Sterne zu kleinen „Eiern“, verkürze die Zeit noch ein Stück. Die Blende lässt du am besten weit offen oder schließt sie nur minimal um eine oder zwei Stufen (beispielsweise von f/1.8 auf f/2.0 oder f/2.8), um möglichst viel Licht einzufangen. Bei der ISO-Empfindlichkeit bleibst du flexibel und passt sie feinfühlig an die jeweilige Situation an.
Fokus:
Den Autofokus kannst du bei Nacht vergessen. Schalte auf manuellen Fokus (MF), visiere einen hellen Stern oder eine ferne Lichtquelle an und stelle mithilfe der Display-Vergrößerung präzise scharf.
Stabilität:
Ein Stativ ist Pflicht. Wichtig dabei: Schalte sowohl den kamerainternen als auch den Objektiv-Bildstabilisator aus, da diese auf dem Stativ eher für Unruhe sorgen. Bei Spiegelreflexkameras (DSLR) kann bereits der Spiegelschlag das Bild ruinieren.
Auslösen:
Um Erschütterungen beim Drücken des Knopfes zu vermeiden, nutze unbedingt den Selbstauslöser oder einen Fernauslöser.
Bleibt mir zum Schluss nur, dir eine erfolreiche Jagd auf die Polarlichter zu wünschen. Sie sind auch in unseren Breiten öfter zu beobachten.
Copyright 2026, Michael Reinke